Mittwoch, 4. Mai 2016

Mala Hrastice - Novy Knin - Stechovice - Vrane - Praha, 48 km

Der Gottesdienst auf dem Parkplatz hatte für freundliches Wetter gesorgt und nach N. Knin ging es bergab. Es war mit dem Frühstück auch einfach. Am Morgen hing eine Tüte mit Butter, Wurst, Käse, Honig, Marmelade an der Zimmertür. Die passenden Brötchen holte ich aus der Bäckerei gegenüber. Sechs Semmeln und zwei süßen Teilchen wurden mir gereicht. Wir waren froh, so gestärkt die Weiterreise zu starten.
Rapsfelder bei N. Knin
Nach der Abfahrt gab es, wie könnte es auch anders sein, einen lockeren Anstieg. Nach den vielen Trainingseinheiten, die Horst zu der Bemerkung der Moldauradweg sei garkein Rad- sondern ein Quälweg verleitet, war es jedoch eine Kleinigkeit, 200 m bergauf zu fahren. Die größeren Hügel waren an den Horizont geschoben. Wir konnten die Flußebene vor Prag erahnen. Der Blick verlor sich sich in den gelb blühenden Rapsfeldern, die kein Ende nehmen wollten. Die halbe EU wird wahrscheinlich von hier mit Rapsöl versorgt. Nach Davne, wo wir die Moldau wieder treffen wollten, hatten wir eine gut zehn minütige Abfahrt. Fast 6f0 km/h konnten erreicht werden. Der kalte Wind vereiste die Abfahrtsfreude. Im Ort tauten wir uns bei einem heißen Kaffee wieder auf.
Die Moldau hatte der Straße 102 Platz an ihrer Seite gelassen. Horst fand, dass endlich der Radweg zu erahnen sei. Zufällig entdeckten wir eine kleine Seilfähre, mit
der wir uns ans andere Ufer bringen ließen. Ab da war die Freude für meinen Freund riesengroß: ein echter Radweg führte bis nach Prag an der Moldau entlang.
Keine Steigung stellte sich dem Rad entgegen. Unser Quartier fanden wir unkompliziert. Ich wurde mit einer Ehrenformation vor der Philharmonie begrüßt.

Wieder telefonierte ein junger Mann auf unsere Bitte hin, den Vermieter herbei. Wir bezogen ein kleines Appartement mit Gemeinschaftsklo und -Küche. Ein unsichtbares Paar teilte sich das Bad mit uns.
Altstädter Ringmit der astronomischen Aposteluhr

Dienstag, 3. Mai 2016

Milevsko - Petrovic - Krasna Hora - Hubenov - Novy Knin - Mala Hrastice, 61,6 km

Der Schlaf über einem Eishokeyfeld hatte zu einer heftigen Kaltfront aus dem Osten geführt. Ein Frühstück war wg. des niedrigpreis Hotels nicht inbegriffen. Wir besuchten die am Abend vorher erkannte Bäckerei. Belegte Brote, ein Kaffee, wie man ihn überall aus den Automaten bekommt und ein Kuchenteil munternten uns auf.
So gestärkt gingen wir in die Pedalen.

Die Berge des Böhmerwaldes schienen in seinen Ausläufern doch flacher. Die Anstiege waren nicht mehr ganz so heftig (nur noch 12 %) und nicht mehr so lang. Die Oberschenkel näherten sich zum Nachmittag hin ihren Leistungsgrenzen. Das der Wind von vorne kam, fanden wir kaum noch beeindruckend. Er hätte wärmer sein können. Es war wieder ein Tag für  Hardcore- Radler.

An unserem Ziel in Novy Knin war die Pension geschlossen. Wie immer in solchen Lagen hilft Fragen. Hände, Füsse, alles was Zeichen senden kann, kommt dabei zum Einsatz. Zuerst zwei Damen mit Wanderstöcken. Die gaben unsere Frage an ihre Männer weiter. Pension Maruska war der Tip, den wir auch schon vergeblich probiert hatten. Gemeinsam gingen wir zu Maruska. Es gelang, eine Frau ans Fenster zu locken. Ein Gespräch fand zwischen dem Wanderer und der Fensterfrau statt. Der freundliche Senior schrieb mir Namen und Ort der Pension in mein Merkheft. So gebrieft tranken wir gelassen einen Kaffee. Im Gespräch mit dem jungen Verkäufer erreichten wir, dass er bei besagter Pension anrief und für uns das Zimmer vermittelte.

Wir mussten uns das Bett schwer verdienen, denn es ging wieder heftig bergauf. Dafür war die Pension liebevoll eingerichtet.
Auf der anderen Straßenseite lag der Gasthof in der Abendsonne und lud zum Bier ein.

Aus einem unscheinbaren Rundbau rief ein kleines Glöckchen fein zum Gebet. Zum Klang der elektrischen Orgel hob ein Gesang zu Gottes Ehren an. Ein Kind holte Kissen von den Bierbänken und reichte sie den Älteren. Sie sollten weich sitzend den Dienst an Gott leisten.
Zwischendurch nahm ein Wolkenband der Andacht das Licht. Es war ein Abendmahlgottesdienst. Als der Leib Christi verteilt wurde gaben die Strahlen der Abendsonne ein mildes Leuchten in das Rund. Sie nahmen der Messe die andächtiger Schwere. Ganz innen drin hoffte ich, auch etwas vom Segen abzubekommen. Für eine glückliche Reise ist so etwas nicht schlecht. 
Meine Lippe juckte nur noch. Das Bier konnte nun vollständig hinter die Binde gekippt werden. Dementsprechend schlief ich gut.

Montag, 2. Mai 2016

Budweis - Tyn - Milevsko, 71 km

In Budweis nahmen wir das erst beste Hotel welches wir sahen. Vier Sterne waren uns nicht zu schade. Wir bewohnten zwei Räume, Bad und Toilette getrennt usw. Das WLAN war ein bisschen schwach. Ich teilte es mit einigen Chinesen auf der Treppe.
Hotel in Budweis****


Der  Böhmerwald ist bildhübsch, jedoch nur für sich quälelende Radfahrer geeignet. Nach Horsts Einschätzung fährt man 50% aufwärts, 25 % abwärts und den Rest auf ebener Straße. Horst hat eine besondere Taktik die Berge zu bewältigen. Er springt aufs Rad und ein Zuschauer hat den Eindruck, da sei jemand auf der Flucht. Ich gehe die Berge gelassen an. Rechtzeitig runterschalten, Pedaldruck gleich und Atmung tief und unbekümmert halten. Auf dem Berg
Oberhalb der Moldau
begrüßen wir uns immer mit aufmunternden Worten. So habe wir seit der Donau viele Höhenmeter zurück gelegt. Bei der Planung hatte ich mir das nicht so heftig vorgestellt.

(Nur mal so, als wir eben beim Bezahlen waren verneinte Horst, dass er müde sein. Jetzt wo ich den Blog schreibe, liegt er schnarchend auf dem Bett...)

Die Moldau hat sich immer wieder ihr Bett durch Felsschichten gegraben. Manchmal an beiden Seiten, manchmal nur an einer Seite, ragen steile Hänge empor.  Die Wurzeln des Mischwaldes halten die Fluchten fest. Wir fuhren hoch über dem Ufer der Moldau. Straßenbaumeister hatten den alten Weg modernisiert. Wenn man sich aufwärts schiebt, kann immer noch das Fluchen der Fuhrleute und das Knarren der ledernen Geschirre hören. Der Geruch von Pferdeschweiß mischt sich mit dem Duft des Waldes und der Wiesen. Manchmal ist auch noch ein Rest von Wein, der aus einem undichten Faß tropft, zu riechen. So  vertreibe ich mir die Zeit bei heftigen Anstiegen.

Gute Beschilderung, gelb die Radweg

Als Horst wieder einmal vor mir geflüchtet war und ich ihn auf des Hügels Höhe erreichte, saß er vor einem Hühnergehege. Er befragte das Hühnerorakel. Aus der Trittfolge der braunen Tiere mit dickem roten Kamm kann man Antworten auf seine dringlichsten Fragen finden. Das Ergebnis war, wir sollen zum nächst größeren Ort radeln und uns eine Schlafmöglichkeiten suchen. Ich fand das Orakel nicht schlecht, es führte uns nach Bernatice. Jedenfalls hatte Horst offensichtlich einen Schritt falsch gedeutet, die Pension war ausgebucht. Jetzt half nur noch Tee trinken und abwarten. Nach drei Tagen Aufenthalt im fremden Land, kann ich gut mitteilen, was ich möchte und so quetschten wir aus der Bedienung den Hinweis für eine weitere Übernachtungsmöglichkeit heraus: Sporthotel in Milevsko. Wir hatten noch einmal 10 km zu bewältigen (hoch und runter...).

Und dann ereilte mich ein schwerer und gefährlicher Schiksalsschlag. Durchfuhr ich in Portugal unbeschadet einen ganzen Bienenschwarm, so reichte in diesem Jahr eine einzige Biene, um mir schweren Schaden zuzufügen. Aus dem linken Augenwinkel sah ich sie in Nasenhöhe anfliegen kommen. Die Zeit reichte, um den Mund fast zu schließen. Das pelzig, hakelige Tier preschte zwischen meine Lippen. Ich wollte sie nicht im Mund haben. Es war alles zu spät. Die Verderbnis bringende Injektion erfolgte. Ich verriß den Lenker, schleuderte über die Straße, wischte mir das Insekt vom Mund hatte noch den Stachel in der Lippe. Ein Lastwagen kam zum Glück nicht aus der Kurve und so konnte ich das schlingernde Gefährt in den Straßengraben bringen.  Horst war auf der Flucht und voraus. Meine Hilfeschreie Verhalten im Böhmerwald. Es gelang mir, mit dem Fingernagel den Stachel aus der Lippe zu schieben ohne weiteres Infiltrat in meinen Blutbahn zu bringen. Nothelfer Tropfen, bildeten das erste Gegengift. Das zweite, eine Zwiebel, erdiskutierte ich mir bei einer Hausfrau, die ich aus ihrem Sonntagsschlaf  klingelte. So behandelt konnte ich den Weg fortsetzen. Die Lippe hängt mir immer noch, sie brennt und juckt. Es hätte schlimmer kommen können.
Moldau, mal von einem ebenen Radweg

Das ehemals sozialistische Sport- Hotel erreichten wir mit ein wenig Nachfragen. Es sah sehr  müde und verlassen aus. Ein Rundgang um das Objekt zeigte uns die Rezeption. Die Dame, die vor Jahren internationale Sportkader in die Räume eingewiesen hatte, verhalf uns zu unseren Betten. Breites Betontreppenhaus, lange Flure, kleine Zimmer. Ein atemberaubender Blick in das Rund des überdachten Eishockeystadions. Das hatte ich noch nie in meinem Leben. Das gelb-orange der Bettbezüge brachte leuchtende Farben in unseren Abend.
Grüße aus dem Sporthotel

Zum Glück fanden wir ein anständiges Lokal. Leider lief mir beimTrinken das  Bier aus dem betäubten Mundwinkel. Ich ging nüchtern ins Bett.

Samstag, 30. April 2016

Zum Moldaustausee - Frymburk - Cesky Krumlov - Ceske Budejovice, 71,6 km

Ein wunderschöner Morgen. Wir könnten die schneebedeckten Gipfel der Alpen über den ganzen Horizont hinweg sehen. Davor drapierten sich die Hügel des Böhmerwaldes im Schatten der aufgehenden Sonne. Als dann ein Reh über die vornunserem Fenster liegenden Wiese Schritt, war die Idylle perfekt. Mit so herrlichen Bildern lässt es sich gut Frühstücken.

Vom Hotel Weg ging es noch fünf Minuten bergauf, dann nur noch abwärts... Weil die Fähre erst ab morgen ihren Betrieb aufnimmt, fuhren wir nach Frymburk. Zehn km am Moldaustausee entlang, durch Fichtenwälder, kleinen Waldlichtungen und an Wiesen mit Matten von gelben Kuhblumen.


Jetzt bin ich müde und geh erst mal schlafen.hallo

Ab Frymburk zeigte der Böhmerwald seine Zähne für Radler. Die Nebenstraße musste immer wieder eine Steigung anbieten. Wir konnten nicht anders und schoben wieder einige Stücke. Weite Wiesen auf denen sich satten Felder vom Löwenzahn ausbreitete waren oft unsere Begleiter. Auch der Blick über die runden Kuppen der welligen Erhebungen erlange das Auge.
Ab Krumlov floß uns die Moldau hinterher. Paddler hatten ihren Spaß in sanften Gefälle. Das Städtchen finde ich niedlich. Mit seinen restaurieren Häusern und Gassen wirkt es sehr mittelalterliche. Die Kirche trohnt hoch über der Stadt und ist nicht so leicht einzunehmen. Die Mittagspause in der Sonne am Fluss war eine gute Vorbereitung für den kommenden Weg.

Er führte uns durch einen schönen Teil des ehemaligen Sudetenlandes. Ich kann verstehen, dass sie sauer über ihre Vertreibung sind. Die Folgen einer falschen Wahl sind oft erst später zu erkennen.
Horst hat ein Feuerwerk in seinen Beinen. Ist es morgens aufgezogen dreht es sich gleichmäßig ab. In seinem Windschatten kann ich gut mithalten. Auch das Stück bis Budweis erschlossen sich uns nur über kräftige Hügelsteigungen. Der Moldau Radweg ist für Radler, die die Berge lieben.


Freitag, 29. April 2016

Inzell - Obermühl - Hühnergeschrei - Aigen - Haagerhof, 38,2km

Schon beim ersten Hahnenschrei war klar, die Sonne würde es schaffen. Schnell drehten wir uns noch ein mal im Bett um. Gut, denn ausgeschlafen schlägt es sich am Fruhstücksbuffet am leichtesten. Eine schöne Strecke lag vor uns, der Mühltalradweg bis Aigen.
Nach der gestrigen leichten Wieder - Einfahrtour schwang ich mich gleich einer Feder in den Sattel und folgte der Donau abwärts. Nachts musste es sehr kalt gewesen sein. Auf freien Wiesenflächen zeigte sich  noch der Nachtreif auf den Löwenzahnblättern. Entprechend kalt wars an den Fingern. Nach gut vier Kilometern erreichten wir die Fähre, die uns nach Obermühl bringen würde. Der Kapitän putzte schon eifrig sein stolzes Schiff. Die Maschine stammte von Steyr und hatte ihre Geburt 1956 erfahren. Die Steyrer waren schon im ausgehenden Mittelalter für ihr Feuer- und
Donau Fähre nach Obermühl


Stangenwaffe bekannt. Ein pfiffiger Josef Wendl bastelte später an Waffen und Motoren, das ist naheliegend. Ob eine Explosion in der Flinte oder in der Brennkammer stattfindst ist fast egal. Daraus wurden die Steyrer Werke. Heute mischt BMW in einem Werk mit. Wir wurden gut über den in der Schleife langsam ziehenden Fluß gebracht. Der Schiffsmeister gab uns Tips für Weg. Wir befolgten sie brav und kamen gut an.

Die Kleine Mühl ist ein lebhaftes Flüsschen. Es springt noch über Stock und Stein. Seine Kraft trieb vor Zeiten Räder von Sägewerken und Papiefabriken an. Nach der umgreifenden Elektrifizierung, muss sie sich nicht mehr anstrengen und kann wieder den Forellen ein bewegender Begleiter sein. Das Wasser sprudelt durch ein liebliches Tal dem Radler entgegen. Hohe Tannen, grüne Wiesen, kleine Gehöfte begleiten uns bergauf.

In Hünergeschrei fragten wir eine fensterputzende Hausfrau nach der Herkunft des Namens. Es könnten die Hunnen gewesen sei aber auch die Hühner, die es hier früher gab. Man weiß es nicht, ist aber das Dorf ist weltweit bekannt.

Die Straße ist wenig befahren und bügelglatt, wenn bloß nicht die ständige Steigung wäre. Horst ist so gut in Form, der fährt zur Mittagszeit am sonnigsten Bio-Cafe vorbei. Zum Glück ereilt ihn mein Rufen und er kommt auch zu seinem Getränk.
Von Rohrbach ging es weiter immer bergauf. Zwar leicht aber doch spürbar. Der Radweg folgte einer alten Straße, dementsprechend waren auch die Steigungen. Der weite Blick über die teilweise noch verschneiten Bergkuppen des Böhmerwaldes war die Anstrengung wert.

Das schönste Stück war die kleine Straße von Aigen auf den Höhenrücken des Böhmerwaldes nach Oberhaag. Ganze 18 % Steigung waren zu bewältigen. Wir schoben ca. 45 Minuten und hatten uns wahre Freude in der Sonne.

Deswegen ist es gut, dass Horst mitgekommen ist...
Nu
"...die letzten 100 Meter..."

Donnerstag, 28. April 2016

Bad Füssing - Passau - Inzell a.d. Donau, 94,6 km

Heute hieß es Abschied nehmen von der mir inzwischen sehr vertrauten Stubenfliege. Inzwischen war sie zutraulich geworden. Beim Frühstück flog sie auf meinen Kopf und schaute gierig und facettenreich auf meinen Teller. War eine Spur von Speisen über den Teller gezogen, brauchte ich nur ein wenig mit dem Finger neben der Spur klopfen und sie landete nach einem fulminanten Sturzflug in der Speispur. Schmatzend machte sie sich über die Reste her. Wenn ich sie so betrachte hält sie mir ein wenig einen Spiegel vor. Alleine fliegt sie in der Endlichkeit des Zimmers umher, betrachtet es mal vom Schrank aus, mal an der Gardine hängend. Ich radle in den Grenzen meiner Möglichkeiten. Sie wirkt zufrieden. Ob sie sich alleine fühlt? Ich habe eine Biene zu Hause, die auf mich wartet und die Fliege? Wir verabschiedeten uns herzlich. Hoffentlich kann sie noch eine Weile Leben...

Dann wollte ich mal wieder ganz modern sein. Aus dem Internet lud ich mir ein Navi-Ap eines bekannten Anbieters auf mein Handy. Ich wollte zwei weitere Papierkarten sparen. Man muss Startpunkt und Ziel eingeben und schon kann es losgehen. Mein Handy ist ebenso wie ich, wenig mit den neumodschen Dingen vertraut. Es dauerte eine Weile bis die entsprechenden Verbindungen hergestellt waren, dann konnte ich losradeln. Schlechte Sicht auf das Display, wegen der Kälte hatte ich dicke Handschuhe an, die mussten bei jeder Bedienung ausgezogen werden, waren der Neuerung nicht zuträglich Ich fand, eine Karte zu lesen einfacher. Als ich dann auf die für Radler gesperrte Bundesstraße geführt wurde, war ich ziemlich genervt. Eine ältere Dame im Daimler schlug mir nach kurzem Nachdenken eine Weg vor. Bis Passau hätten es gut 32km sein sollen, gefahren bin ich rd. 48 km.

Passau ist mir bekannt. Vor einigen Jahren  war die Stadt Start für eine Donautour nach Wien. Damals war Sommer und die Sonne spendete Hitze. Heute war es kalt. Mein Freund Horst erreichts pünktlich den Passauer Hauptbahnhof. Gegen 14 Uhr fuhren wir Richtung Osten ab. Der Donauradweg verläuft rechts und links der Donau. Wir nahmen den linken Weg. Er führt dicht an der Donau entlang. Zum Nachmittag zeigte sich die Sonne immer wieder zwischen den Wolken. Für 30 Minuten war Regenkleidung nötig, ehe wir sie an hatten war der Schauer fast vorbei. Die kanalisiert Donau schlängelt sich träge zwischen ihren hohen Ufern dahin. Die Hänge sind bewaldet oder bieten an breiten Stellen Platz für Äcker und Wiesen. Hofreiten wirken wie dazwischen geworfen. Besonders elegant zeigt sich die Landschaft, wenn Sonnenstrahlen ihr Licht dazwischen werfen. Bis zur Donauschleife sind wir gekommen. Ich merke meine Beine und bin gespannt, wie es morgen bergauf geht.
Dom in Passau

Horst

Schöne blaue Donau

Dienstag, 26. April 2016

Warmes Wasser wirkt Wunder

In Bad Füssingen verbringe ich meine Nächte im kleinen Appartement von den Graml's. Ich bewohne es nicht alleine. Von Beginn an teilt eine schwarze Stubenfliege das Geviert mit mir. Ich wollte an ihr schon meine Reaktionsgeschwindigkeit testen, habe es aber sein gelassen, weil, dann bin ich ganz alleine. Ein bisschen gemein ist sie schon. Habe ich der Lampe den Strom abgedreht, kommt sie promt und setzt sich auf meinen nackten Arm. So ein Killern ist dem Einschlafen abträglich. Ich bin geduldig. Ohne Hörgeräte ist es mir nicht möglich zu erkunden, ob sie gerade mit ihrem Rüssel Reste von meiner Haut saugt oder einfach nur meinen Geruch auskostet. Ich probiere aus, wie lange ich das Kribbeln aushalte und schlafe darüber ein.

Ohne das warme Wasser würde man hier vor Nichtstun umkommen. Unter drei verschiedenen Badeanstalten kann gewählt werden. Inzwischen habe ich alle ausprobiert. Alle Becken sind voll (was mache die in der Hauptsaison?). In den Badeastalten sind die Umkleidekabine, die Becken und die Gaststätten unterschiedlich angeordnet. Ich glaube es führt dazu, dass die meisten Besucher einer Einrichtung treu bleiben. Sie müssen sich dann nicht umorientieren. Im Alter ein echter Pluspunkt. Nur die Fahrtrichtung für das Bewegungsbecken ist immer gleich. Wenn man versucht dagegen zu schwimmen, wird man schnell aufgeklärt, dass man verkehrt rum sei.

Ich bin werde auch davon überzeugt, was Zeitungen immer wieder schreiben: Deutschland ist ein Land der Übergewichtigen. Selten begegnet man im Wasser einem Hering.
Aus meiner Sicht ist es nicht verwunderlich, dass Schamanen einiger ganz oben im Norden lebenden Menschen, besorgniserregend Beobachtungen machen. Sie haben bemerkt, dass die Sonne nicht mehr dort aufgeht, wo sie früher aufgegangen ist. Auch Sterne und Mond  stünden an anderer Stelle. Auf der Weltkugel liegt Deutschland von der Hebelwirkung her gesehen an günstiger Stelle, um die Erdachse ein wenig zu beeinflussen. Ich habe gelesen, dass es schon seit langem eine Kontinentalverschiebung des Nordpols gibt. Zehn cm jährlich  nach Süden ist ganz üblich. Seit den letzten 10 Jahren wandert sie mehr in östliche Richtung. Alleine das Blattwachstum im Frühjahr beeinflusst die Achse. Wir taumeln mit der Erde durchs Universum. Nun wieder zurück zu meiner, durch die Zeitungsberichte gestärkten Beobachtung der Überleibigkeit. Wenn schon die paar Blätter im Frühling die Kugel, auf der wir Platz genommen haben, ins Taumeln bringt, warum nicht dann auch die Massen der in Bad Füssingen Badenden und wenn das nicht reicht, die unserer geliebten Republik?

Ich finde, wir sollten uns mehr zurückhalten, sonst kippt die ganze Sache und wir sind mit einmal in der Sahelzone. Eine Weile könnten wir von der Substanz Leben aber dann...
In diesem Sinn nehme ich mir noch ein Bier, gehe ins Bett und überdenke noch einmal Alles...